Nutze deine Faulheit!

Nutze deine Faulheit!

Veränderung ist Schwerstarbeit für deinen Kopf. Der will eigentlich gerne auf seinen bekannten Bahnen unterwegs sein. Um es dir etwas leichter zu machen, kannst du ihn allerdings austricksen und eine Charaktereigenschaft nutzen, die wir alle in uns tragen: Faulheit. Ja, richtig gelesen. Deine Faulheit kann dir bei Veränderung helfen, wenn du sie ausnutzt. Also nutze deine Faulheit!

Lass mich mit einem Beispiel erklären, was ich meine. In vielen Haushalten steht irgendwo eine Schüssel mit Süßigkeiten, Schokolade oder Keksen. Du kannst dir im Vorbeigehen einfach etwas nehmen. Es ist sehr einfach verfügbar, du musst nur zugreifen. Das Ergebnis ist nicht überraschend: Genau das tust du auch. Jeder kennt dieses Phänomen: Du hast bis eben noch gar nicht an Süßigkeiten gedacht, aber jetzt wo du sie siehst, hast du auf einmal ein Verlangen danach. Allein der Anblick löst in deinem Kopf eine Reaktion aus, und du kannst ja jetzt einfach zugreifen. Mit der Zeit wird dies noch schlimmer: Du greifst einfach aus Gewohnheit zu.

Was solltest du mit dieser Schüssel machen, wenn du abnehmen willst? Sie sollte am besten verschwinden. Es reicht vielleicht schon, wenn du sie in einen Schrank verbannst. Wenn du wirklich Lust auf etwas Süßes hast, kannst du zum Schrank gehen und dir etwas nehmen. Aber du hast einen zusätzlichen Schritt eingebaut, denn du musst nun zum Schrank gehen und kannst nicht einfach zugreifen…

Mach es dir schwerer, wenn du etwas weniger tun willst

Der Trick ist, dass du dir das Verhalten, das du loswerden willst, schwerer machst. Wie viel schwerer kannst du selbst entscheiden. Und es hängt natürlich davon ab, wie schwer es dir fällt, auf das Verhalten zu verzichten. Du wählst deine Eskalationsstufe selbst. Wichtig ist dabei, dass du ehrlich zu dir bist. Du musst es dir schon wirklich schwerer machen. Sonst trickst du dich selbst aus.

Ich gebe dir dazu ein Beispiel: Nehmen wir an, du willst weniger Fernsehen schauen. Ein erster, einfacher Schritt wäre, den Fernseher in einen Schrank zu stellen, damit er nicht ständig präsent ist. Wenn du Fernsehen schauen willst, ist das kein Problem. Du musst nur den Schrank aufmachen und kannst schauen. Du wirst jetzt vielleicht schon etwas weniger Fernsehen schauen, da der Fernseher jetzt versteckt ist und du nicht mehr von seiner Präsenz zum Fernsehen angeregt wirst.

Die nächste Stufe wäre, dass du das Stromkabel aussteckst! Jetzt musst du jedes Mal hinter dem Schrank herumfummeln, bevor du den Fernseher einschalten kannst. Du darfst immer noch so viel gucken, wie du willst, aber du musst jedes Mal das Stromkabel einstecken. Jetzt wird es dir schon passieren, das du eigentlich fernsehen willst, aber denkst: “Ach ne, das ist mir jetzt zu aufwändig”.

Du willst es noch eine Stufe härter? Leg zusätzlich die Fernbedienung in den Keller. Das reicht immer noch nicht? Dann kannst du auch ganz extrem werden: Du baust deinen ganzen Fernseher ab und stellst ihn in den Keller. Wenn du gucken willst, musst du ihn aus dem Keller holen. Fernsehen ist immer noch nicht verboten: Du darfst so viel schauen wie du willst…

Nutze deine Faulheit, um Verbote zu vermeiden

Ich denke damit hast du das Prinzip verstanden. Das Beispiel zeigt, dass du die Schwierigkeit immer weiter steigern kannst. Je aufwändiger es für dich wird, umso häufiger wirst du dir denken „Ach ne, ich mache doch etwas anderes“. Und das ist genau das Ziel. Du vermeidest ein Verbot, denn die sind häufig kontraproduktiv. Erinnerst du dich noch, wie es als Kind war? Alles, was verboten war, hatte auf einmal eine magische Anziehungskraft. Wenn du dir selbst alles erlaubst, aber es einfach unkomfortabel machst, umgehst du diesen Effekt.

Ich wollte weniger bei Amazon einkaufen. Um das zu erreichen habe ich zuerst die Amazon Apps deinstalliert. Ich kann Amazon nur noch im Browser nutzen. Zusätzlich speichere ich die Anmeldedaten nicht: Ich muss mich also jedes Mal neu anmelden, wenn ich etwas kaufen will. Und um es noch etwas schwieriger zu machen habe ich die 2 Faktor Authentifizierung für jeden Einkauf aktiviert. Ich muss jedes Mal, wenn ich etwas kaufen will auch noch einen Code von meinem Smartphone eingeben. Was glaubst du, wie sich meine Einkäufe entwickelt haben? Natürlich kaufe ich immer noch bei Amazon, ich will darauf auch gar nicht ganz verzichten. Aber ich habe nun ein paar Hürden, die ich erst mal überspringen muss.

Du kannst du dir für jedes Verhalten etwas überlegen. Sei kreativ!

  • Du willst bestimmte Apps weniger nutzen? Verbanne sie möglichst weit von deinem Homescreen tief in irgendwelche Untermenüs. Oder lösche sie ganz und nutze sie nur noch im Browser.
  • Du verbringst abends viel Zeit am Smartphone vorm Schlafen? Verbanne es in den Flur für die Nacht.
  • Du willst mehr Fahrrad und weniger Auto fahren? Gib den Autoschlüssel deiner besten Freundin, bei der du ihn dann jedes Mal abholen musst (am besten mit dem Fahrrad).

Mach es dir leichter, wenn du etwas öfter machen willst

Diese Technik funktioniert natürlich auch, wenn du eine Sache fördern und häufiger machen willst. Dabei drehst du die Logik einfach um. Du versuchst dir das, was du mehr machen willst, so einfach wie irgendwie möglich zu machen. In dem ersten Beispiel könntest du die Schale mit Süßigkeiten durch eine Schale mit frischem Obst ersetzen. Jetzt kannst du im Vorbeigehen zugreifen und etwas Gesundes essen.

Wenn du morgens Laufen willst, kannst du dir abends schon deine Kleidung und Schuhe in den Flur legen, damit du sie direkt sehen und anziehen kannst. Lege die Tasche mit deiner Kleidung fürs Training im Fitnessstudio schon abends in dein Auto und such dir ein Studio, das möglichst auf deinem Weg zur Arbeit liegt. Versuch es dir so leicht wie möglich zu machen und so viele Barrieren wie möglich aus dem Weg zu räumen.

Ein schönes Beispiel sind Trainingsgeräte für zu Hause. Meistens sind diese keine optischen Highlights und wir wollen unsere Wohnräume nicht damit verschandeln. Daher räumen wir sie weg. Wenn du trainieren willst, musst du erst einmal dein Equipment holen und es aufbauen. Ich sage nicht, dass das unmöglich ist. Gerade am Anfang wirst du das sicherlich tun. Irgendwann aber ist der erste Enthusiasmus verschwunden und das Gerät bleibt immer öfter im Schrank, wo du es nicht siehst. Wenn es also irgendwie möglich ist: Halte das Gerät präsent und platziere es so, dass du sofort ohne große Umbauarbeiten kannst. Es muss möglichst einfach sein!

Ich schreibe an meinem Blog immer morgens früh. Damit mir das so leicht wie möglich fällt, stelle ich am Vorabend schon mein iPad, ein Glas, eine Kaffeetasse und meine kleine Kaffeekanne bereit, damit ich mir morgens nicht erst alle Sachen zusammensuchen muss. Nach dem Aufstehen koche ich mir einen Kaffee, hole etwas Wasser, klappe das iPad auf und kann sofort loslegen. Positiver Nebeneffekt: Ich habe mehr Zeit zum Schreiben.

Nutze deine Faulheit!

Deine Faulheit steht dir oft genug im Weg. Jetzt kannst du sie einmal für etwas Positives nutzen! Überleg dir, was du tun kannst, um dir die Dinge, die du verändern willst schwerer oder leichter zu machen:

  • Welche Barrieren kannst du dir bauen, damit du es weniger machst
  • Welche Barrieren kannst du entfernen, damit du es mehr machst? Werde kreativ!

Du willst mehr über Veränderung lesen? Hier habe ich aufgeschrieben, wie du jede Veränderung meisterst.

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Photo by Drew Coffman on Unsplash

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